Erste Hilfe

Mein Tier wurde angefahren: was tun

Mein Tier wurde angefahren: was tun

Angefahren zu werden ist immer ein tierärztlicher Notfall, auch wenn das Tier aufsteht und gesund wirkt. Der Aufprall kann innere Blutungen, Brustverletzungen oder Brüche verursachen, die man nicht sieht und die erst Stunden später auftreten. Ruhe zu bewahren und geordnet zu handeln hilft am meisten.

Auch wenn es läuft und gesund wirkt: Bringen Sie es nach einem Unfall immer zum Tierarzt. Viele innere Verletzungen machen anfangs keine Symptome. Rufen Sie unterwegs an, damit die Notfallversorgung vorbereitet wird.

Warum es immer ein Notfall ist

Der Aufprall kann Gefäße zerreißen, die Lunge schädigen (Luft oder Blut im Brustraum erschwert die Atmung), Milz oder Leber verletzen oder Brüche und Wirbelsäulentraumata verursachen. Einige dieser Verletzungen zeigen sich erst nach Stunden, wenn sie bereits schwer sind. Deshalb ist die tierärztliche Untersuchung nicht optional.

Anzeichen innerer Verletzungen

Warnzeichen nach einem Unfall
BereichWorauf achten
AtmungSchnell, mühsam, offenes Maul, bläuliches Zahnfleisch
Zahnfleisch/FarbeSehr blass (mögliche innere Blutung)
BauchAufgebläht, hart oder schmerzhaft bei Berührung
BeweglichkeitHumpeln, belastet ein Bein nicht, zieht die Hinterhand nach
AllgemeinzustandAbgeschlagenheit, Desorientierung, Zittern, Kollaps
Harn/KotBlut im Harn oder beim Koten

Wie Sie Schritt für Schritt handeln

  1. Bringen Sie zuerst sich in Sicherheit: entfernen Sie das Tier vorsichtig vom Verkehr und schützen Sie sich selbst zuerst.
  2. Gehen Sie vorsichtig um: ein Tier mit Schmerzen kann aus Angst beißen. Improvisieren Sie bei Bedarf und wenn es gut atmet einen Maulkorb mit einer Binde (nie wenn es erbricht, hustet oder schlecht atmet).
  3. Stillen Sie sichtbare Blutungen mit festem Druck und einem sauberen Tuch.
  4. Bewegen Sie es auf einer festen Unterlage (Brett oder gespannte Decke) als Trage, ohne die Wirbelsäule zu beugen.
  5. Halten Sie es warm mit einer Decke und geben Sie kein Futter oder Wasser.
  6. Rufen Sie unterwegs den Notfall-Tierarzt an, damit die Versorgung vorbereitet wird.

Wie Sie es ohne Verschlimmerung transportieren

Bei Verdacht auf einen Bruch oder eine Wirbelsäulenverletzung schieben Sie es sanft auf ein Brett, ein großes Backblech oder eine zwischen zwei Personen gespannte Decke und halten den Körper so gerade wie möglich. Sichern Sie es, damit es unterwegs nicht herunterfällt, und vermeiden Sie ruckartige Bewegungen.

Was NICHT tun

  • Gehen Sie nicht davon aus, dass es gesund ist, nur weil es läuft oder kaum klagt.
  • Geben Sie keine Humanschmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol): sie sind sehr giftig.
  • Erzwingen Sie keine Haltungen und ziehen Sie nicht an möglicherweise gebrochenen Gliedmaßen.
  • Geben Sie kein Wasser und kein Futter, falls eine Narkose nötig ist.

Was der Tierarzt tun wird

Zuerst wird stabilisiert (Sauerstoff, Infusionstherapie, Schmerz- und Schockkontrolle). Dann wird das Ausmaß der Verletzungen mit Untersuchung, Röntgen oder Ultraschall und Blutwerten beurteilt und Blutungen, Brüche oder Brustverletzungen werden versorgt. Manchmal bleibt das Tier einige Stunden in Beobachtung, falls Spätkomplikationen auftreten.

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Häufige Fragen

Soll ich zum Tierarzt, auch wenn es gesund wirkt?

Ja, immer. Innere Verletzungen (Blutungen, Lungenschäden) zeigen sich oft erst Stunden später und können schwer sein. Eine rechtzeitige Untersuchung kann das Leben retten.

Wie bewege ich es, wenn es sich nicht bewegen kann?

Schieben Sie es vorsichtig auf ein Brett oder eine feste Decke, ohne die Wirbelsäule zu beugen, halten Sie es möglichst ruhig und fahren Sie direkt zum Tierarzt.

Soll ich ihm einen Maulkorb anlegen?

Nur wenn es normal atmet und nicht erbricht. Ein Tier mit Schmerzen kann aus Angst beißen, aber ein Maulkorb bei einem Tier, das hustet, erbricht oder schlecht atmet, ist gefährlich.

Wie lange soll ich es danach beobachten?

Auch wenn der Tierarzt es gesund findet, beobachten Sie es mindestens 24–48 Stunden und kommen Sie wieder bei Atemnot, blassem Zahnfleisch, Erbrechen, Abgeschlagenheit oder Blut im Harn.

Darf ich ihm unterwegs etwas gegen Schmerzen geben?

Nein. Humanschmerzmittel sind giftig und können die Narkose erschweren. Die Schmerzkontrolle übernimmt der Tierarzt sicher.

Es blutet aus Nase oder Maul, was tun?

Bleiben Sie ruhig, verstopfen Sie nichts, legen Sie es auf die Seite mit dem Kopf leicht tiefer, damit es nicht erstickt, und fahren Sie sofort hin: das kann auf eine Brust- oder Kopfverletzung hindeuten.

Dieser Ratgeber dient nur der Orientierung (Erste Hilfe) und ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Kontaktieren Sie im Notfall einen Fachmann.

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